Körperweg

Nondualität und Körper, Körperweg, Somatische Meditation

Nondualität und Körper

Körper-basierte Meditation & Verkörpertes Erwachen

Die tiefe Ahnung oder sogar eine tiefe Einsicht in das Wesen der Realität und unseres erwachten Seins kennen vielleicht viele, die das lesen. Wir sind überzeugt davon, dass unser wahres „Ich“, unsere wahre Identität, viel mehr ist, als die sich getrennt fühlende Person. Auch kennen wir die Idee des Erwachens zum Selbst oder der Erleuchtung, spirituelle Befreiung, Moksha, oder wie auch immer wir es bezeichnen. Vielleicht hast du auch schon das sogenannte Erwachen erlebt, was sich grunderschütternd auf dein Leben und deine Idee von Spiritualität ausgewirkt hat.

Wir sind nicht der Ansicht, dass das Leben nur darin besteht, unseren Job zu machen, vielleicht eine Familie zu gründen, dem System zu dienen, den Erwartungen zu entsprechen, vielleicht erfolgreich zu sein oder nicht, und dann zu sterben, den Löffel abzugeben, und das war’s dann. Wir sind vielmehr davon überzeugt, dass das Leben dazu da ist, durch unsere Form sich selbst zu erkennen, als das eine Bewusstsein, als Ganzheit, nondual, als die große Befreiung, wie ein Blitz, erschütternd, offen und weit, jenseits der Person und ausgedehnt in die Unendlichkeit. Wir hören den sogenannten Meisterinnen und Meistern zu, oder den Sprecherinnen und Sprechern über Nondualität und können nicht anders als uns immer wieder treffen zu lassen, von der Einfachheit und Unmittelbarkeit der nondualen Lehren. Was den anderen Menschen als schierer Nonsens und Zeitverschwendung erscheint, berührt uns zutiefst, und zieht uns an, wie der betörende Duft einer Blüte oder ein wunderschöner, wilder und duftender Körper. Wir sind bis ins Tiefste unserer Zellen verliebt in das spirituelle Erwachen. Wir können nicht anders, als der süßen Duft-Spur der sogenannten Erleuchtung zu folgen.

Trotzdem tragen wir unsere konditionierte Überzeugung und das Gefühl von Trennung im Alltag weiter und müssen uns als sich getrennt fühlende Person dem menschlichen Leben stellen, mit allen Schwierigkeiten, Problemen, Schmerzen und Konflikten. Die persönliche menschliche Existenz bleibt unausweichlich vorhanden, mit all seinen Hochs und Tiefs, mit allem Leid und aller Freude. Auch wenn Nondualität, Erwachen und Ganzheit die Basis des Seins sind, entkommen wir dem Ausdruck der Ganzheit als menschlich fühlendes Wesen nicht. Auch wenn wir das eine erwachte Sein sind, die offene Weite, die Räumlichkeit selbst, auch wenn wir Ganzheit, die Totalität sind, bleibt das Gefühl von Trennung im Körper verankert und wir erleben weiterhin persönliches Leiden.

Teil unserer menschlichen Sehnsucht ist jedoch auch der Wunsch, das Leben voll auszukosten, lebendig zu sein, spontan und freudig. Und zwar verkörpert, fühlend und menschlich. Wir sind als fühlendes, wässriges und durchlässiges Wesen geboren, mit einem unglaublich sensiblen Körper und Nervensystem und haben uns zu steifen, erstarrten, verknoteten, hölzernen, geradlinigen Brettern entwickelt. Die Weichheit, das Fließende, das Fühlende, das Geschwungene, das Schwingende und Vibrierende in uns, all das, ist weitgehend vergraben worden. Zudem haben wir uns von unserem Körper abgespalten und leben fast nur mehr im Kopf, in einer Illusion von einem persönlichen Leben, in einer von uns getrennten Welt, isoliert, kontrolliert und scheinbar sicher, innerhalb eines weitgehend kranken Systems, das uns, auf Kosten der Scheinsicherheit, der Natürlichkeit, Wildheit und Spontanität beraubt hat. Unser Kontroll- und Sicherheitswahn hat uns grundsätzlich von unserem Körper und auch von der Erde abgetrennt, und wir merken es nicht mal mehr, weil es zum Normalzustand geworden ist. Bewusst oder unbewusst leiden wir unter dieser Abspaltung, unter der Erstarrung und der Unfähigkeit zu Berührbarkeit und Verbundenheit.

Und ACHTUNG! An uns alle! An uns Spirituellen, nach Erleuchtung Suchenden! Nondualität und Erwachen können eine wunderbare Abspaltungsstrategie sein. Eine sehr subtile und effiziente Strategie, dieselbe Trennung vom Natürlichen weiterzuführen, nur unter dem Deckmantel der Spiritualität oder Nondualität. Die wunderbare Idee, keine Person zu sein, nur das eine erwachte Sein zu sein, kann eine sehr elegante und scheinheilige Falle des Erwachens sein, die uns von unserem Schmerz der Unverbundenheit abspalten und uns letztlich hinters Licht führen kann. Natürlich betrifft das auch jede Art von scheinbarer Spiritualität, von (Schein)Heiligkeit, spirituellem Perfektionismus, Harmonie Verherrlichung, Alles-Akzeptier-Wahn, Glitzer-Konfetti-Alles-Liebe-Manifestieren, usw.

Wirkliche Nondualität ist für mich im einfachen, menschlichen und persönlichen Leben zu finden. Wir sind zwar das erwachte Sein, das eine Bewusstsein, Ganzheit usw. aber wir sind auch der persönliche Ausdruck des Lebens als Mensch. Wir sind auch all der Schmerz, die Wut, die Aggression. Wir sind auch unsere Traumas, unsere Erstarrungen, unser Leid usw.

Der Körperweg ist eine Einladung, offen und fühlend der direkten Erfahrung unseres Körpers zu begegnen, um unserem Körper die Möglichkeit zu geben, seine essenzielle Realität als Ganzheit zu offenbaren, mit all seiner Wildheit, seiner Un-Heiligkeit, mit all seinen Widerständen, seinen Schmerzen und all seiner organischen und lustvollen Freude. Es ist ein Weg der gelebten Achtsamkeit und des verkörperten Erwachens. Erwachen zum Selbst ist dabei nur der Beginn des Weges. Der wirkliche Weg ist das Leben selbst, verkörpert und fühlend, vor dem Hintergrund des erwachten Seins und der Tatsche von Nondualität.

Wir finden wieder zur Geschmeidigkeit und Weichheit zurück, zur Lebendigkeit und Spontanität. Wir begegnen unseren tierisch-menschlichen Instinkten, unseren Emotionen und unserer Sensibilität. Wir entdecken eine ganze Welt an Lust und Kreativität im Körper. Wir erwecken unsere Berührbarkeit, unser Verlangen, unser Begehren, unsere Leidenschaft und die Sehnsucht nach Verbundenheit. Wir werden zum Ausdruck unseres natürlichen menschlichen Seins.

Wir entdecken auch all unsere verkörperten Prägungen, Erstarrungen, Scham, Schuld, Verbot, Verletzung und Enttäuschung. Letztlich ist es ein Weg zur Schamlosigkeit und zur Freiheit, zum freien Au